Re: Ich brauche kein Handy, weil: - Ein Viertel der Deutschen hat kein Handy

handymm, chromatisch, herrlich.
> Was darann allerdings farbig sein soll, habe ich selbst nach 15
> Jahren Trompetenspielen noch nicht so richtig verstanden.
Eine Tonleiter besteht für gewöhnlich aus Ganz- und Halbtonschritten.
Damit hat sie einen bestimmten “Charakter”, z.B. Dur, Moll,
Mixolydisch, usw. Man kann es sich vorstellen wie einen Apfel: Der
ist rund, ist aber nicht ganz gleichmäßig, und weil er nicht ganz
gleichmäßig ist, gibt es ein “oben” und ein “unten”. Oben ist da, wo
der Stiel ist, unten ist da, wo der andere Hünkel ist, aber kein
Stiel. Das “Runde” bei einer Tonleiter ist ihre Abgeschlossenenheit:
Sie beginnt bei einem Ton mit x Hertz und endet bei 2x Hertz. Das
Ungleichmäßige sind die Halbtonschritte, die bei jeder Tonleiter
anders liegen (bei Dur: zwischen 3. und 4. Ton und 7. und 8. Ton).
Bei der C-Dur-Tonleiter ist Unten das c1, Oben ist c2. c ist
Grundton. Lieder, die auf der C-Dur-Leiter basieren, haben das
Bedürfnis, beim Grundton (oder einem mit dem Grundton stark
verwandten Ton) zu enden. Dies aber nur deshalb, gerade WEIL die
Leiter ungleichmäßig ist und es ein “Oben” und “Unten” überhaupt
gibt.
Bei der chromatischen Leiter ist das anders. Da gibt es nur gleiche
Schritte, nämlich Halbtonschritte. Folglich gibt es auch keinen Oben
und Unten mehr. Stell dir diese Leiter vor wie einen Tennisball:
Alles ganz gleichmäßig, aber wo ist oben, wo ist unten? Da ist
nichts, woran man sich orientieren kann. Daher kann man auch keine
Lieder mit der chromatischen Tonleiter komponieren. Man die Leiter
aber hernehmen, um Stücke in Dur, Moll oder sonstwas damit etwas
aufzubrezeln. Daher “Chromatisch”: Ein paar Farbkleckser, die jedoch
einer Leinwand bedürfen, auf die man sie auftragen kann. Diese
“Leinwand” ist die Dur-/Moll-Tonalität. Chopins a-Moll-Etüde ist ein
sehr anschauliches Beispiel dafür. In der linken Hand meist ganz
einfache Harmonik, a-Moll. Rechte Hand: Chromatische Läufe. Würde man
nur die linke Hand hören, so würde man sagen: Mein Gott, wie billig,
klingt ja wie im Musikantenstadl. Würde man nur die rechte hören, so
würde man sagen: Wat is dat denn? Wird da ne Sau abgestochen oder so?

4 Responses to “Re: Ich brauche kein Handy, weil: - Ein Viertel der Deutschen hat kein Handy”

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